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Römischer Gutshof

 

von Bargen, „Scheifersteig”

 

von Roland Berka

 

Bei meinen geologischen und archäologischen Streifzügen im gesamten Bereich der Landkreise Tuttlingen und Konstanz bin ich vor Jahren u.A. auf die Überreste einer Römischen Anlage gestossen.

Nachforschungen in der Singener Hegaubibliotek ergaben, dass dort bereits 1925 von Professor P. Revellio Grabungen durchgeführt wurden.

Danach versank dieses Kulturdenkmal in einen Dornröschenschlaf.

Mir ist damals aufgefallen, dass es sich bei den Ruinen um die am besten erhaltenen handelte die ich bisher zu sehen bekam. (Archäologen haben dies jetzt auch bestätigt und bezeichnen diese Anlage als „eine der landesweit 5 besterhaltenen” Überreste von römischen Gutshöfen.)

Nach meiner „Neuentdeckung” habe ich den Museumsleiter der Stadt Engen, Herrn Dr. Wendler in seinem Stadtbüro aufgesucht und informiert.

Kurz danach habe ich Ihm die Anlage im Wald gezeigt. Damit wurde die Angelegenheit wieder aktuell.

Die Gebäudereste sind 2-3m hoch und liegen bezogen auf die heutigen Siedlungen ziemlich abgelegen im Fürstlich Fürstenbergischen Forst in der Gewann: „Scheifersteig”.

Diese ortsferne Lage war sicherlich Grund dafür, dass dort nicht wie sonst üblich - fast alle Steine als leicht zugängliches Baumaterial abgetragen und irgendwo weiterverwendet wurden.

Zwischenzeitlich wurde das gesamte Gelände unter der Leitung des neuen Konstanzer Kreisarchäologen genau vermessen und kleinere Suchgrabungen durchgeführt.

Dabei wurden auch die von mir vorher festgestellten Schlackenreste aufgefunden.

Die Arbeiten dort sind zunächst abgeschlossen und die Ergebnisse sind in einer Schriftreihe des Landesdenkmalamtest veröffentlicht worden. (Römerzeitliche Geländedenkmähler 4; 2007; Konrad Theiss Verlag Stuttgart)

Diese Villa rustica ist eine von etwa 1500 Objekten solcher Art in Baden-Württemberg und steht zeitmäßig bei 80-260 nach Christus.

Wir lange die Anlage bewohnt war und ob gar mehrere Generationen darin lebten ist nicht bekannt. Eine genauere Bestimmung wäre z.B. durch Münzfunde möglich.

Gerade beim Geschirr wurden die Namen der römischen Töpfer angebracht, wodurch exakte Zeitmarken vorhanden wären.

Aus meiner Sichtweise ergibt sich für diesen Gutshof noch eine besondere Merkwürdigkeit: Mir sind sehr viele römische Anlagen dieser Art bekannt, aber nicht eine einzige davon hat so schlechte Bedingungen für Ackerbau wie die Bargener.

Der geologische Untergrund ist dafür eigentlich völlig ungeeignet.

Deshalb kann vermutet werden, dass er nicht die Funktion eines Nahrungsmittel-Erzeugers, sondern eine völlig andere Aufgabe zu erfüllen hatte.

Die Bedürfnisse der damaligen Zeit waren u.A. auf die Herstellung von Pech, Holzkohle, Kienspänen, die Harzgewinnung und auch auf die Eisenherstellung ausgerichtet. Ertragreiche Bohnerzvorkommen (Fe2O3) gibt es in der näheren Umgebung reichlich und wurden über lange Zeiträume genutzt.

Unzählige ehemalige Kohlplätze - dort wurde die zur Verhüttung der Eisenerze notwendige Holzkohle hergestellt - sind im Gelände leicht nachweisbar.

Direkt im Siedlungsgebiet der Villa rustica befinden sich zwei Kohlplätze, von denen einer mit großer Sicherheit in die Fürstlich Fürstembergische Zeit gehört.

Der andere sieht dafür eher untypisch aus und könnte somit römerzeitlich sein.

Nur etwa einen Kilometer südlich der heutigen Ruinen befinden sich inselartige Vorkommen von „Randen-Grobkalk”. Dieses Gestein ist eine besondere Ausbildungsform der sogenannten „Oberen Meeresmolasse” (OOM) und ein ideales Material zum Formatisieren von Bausteinen.

Es ist im bergfeuchten Zustand leicht zu bearbeiten. Beim Austrocknen an der Luft wird es aber sehr hart.

Viele dieser Steine wurden beim Bau der Villa rustica verwendet und sind an allen Gebäuden des Komplexes leicht aufzufinden. (Wie auch bei der Villa rustica in Möhringen / Donau.)

Dieses bereits behauene und aualitätvolle Material wurde von der Bevölkerung viel späterer Zeiten bevorzugt weggeschafft.

Enge Bezüge der Bewohner der Bargener Anlage zu den zahlreichen anderen römischen Nachbarn bei Büßlingen, Watterdingen, Aulfingen, Zimmern, Möhringen, Tuttlingen und Wurmlingen usw. waren denkbar und möglich. Im Umfeld von max 40-50 km befanden sich etwa 50 römische Niederlassungen und vier Kastelle.

Eventuell wurden hier auch Reisende verpflegt, Pferde gewechselt oder auch einfache Übernachtungsquartiere angeboten. Straßen bzw. Wege mussten instand gehalten werden.

Das heutige Waldgebiet der Umgebung war bereits von Kelten besiedelt.

Im Bereich der jetzigen „Talmühle” lag vermutlich schon lange vor der Ankunft der Römer eine wichtige Wegspinne.

Die vorhandene Strukturen - planierte Flächen und Wege wurden weiterbenutzt.

Im Siedlungsareal befindet sich eine Quelle. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es mehrere tiefe Dolinen, die als Kultstätten in Frage kämen. (siehe auch: Dolinen und Kelten)

Die Nähe großer Grabhügel der Hallstattzeit, lasst eindeutige Rückschlüsse zu. Sie wurden für sozial höher stehende Personen aufgeschüttet. Vielleicht für Sippenführer oder auch Schamanen. Mehrere Hügel nebeneinander bedeuten, dass mehrere Generationen im jeweiligen Gebiet lebten.

In den Gewannen „Bargener Hölzer”, „Köhlerhau - Sauergras”, „Ziegelholz”, „Bubenholz” und „Gutenbühl” sind solche Nekropolen zu finden.

Zwei keltische Wallanlagen befinden sich zudem in nicht allzu großer Entfernung. (Möhringen an der Donau und im Krebsbachtal bei Eigeltingen)

Über die Wegspinne „Talmühle” war jedenfalls ein idealer Übergang vom Hegau in das Donautal - und umgekehrt möglich, wobei das nach Hitschingen führende „Schöntal” eine herausragende Rolle spielte.

Die geringen Steigungen erleichterten den Übergang in das höher gelegene Bergland ganz wesentlich. Für die Kelten waren so auch die großen Wallanlagen bei Geisingen, Kirchen-Hausen, Oberbaldingen und Leipferdingen leicht erreichbar.

Für die Römer die Kastelle Hüfingen Tuttlingen und Rottweil sowie die zahlreichen Siedlungsstellen der gesamten Raumschaft.

Noch eine bemerkenswerte Eigenschaft vom Baumaterial soll hier extra erwähnt werden: Die von den Römern hergestellten und beim Bau der Villa rustica bei Bargen verwendeten Ziegeln sind ferromagnetisch.

Als notwendiges Magerungsmittel wurden vulkanische, basaltische Tuffe verwendet die sowohl im Bereich „Schopflocher Hof” und beim Hewenegg reichlich vorhanden sind.

Sie enthalten das Mineral Magnetit das für den entsprechenden Effekt verantwortlich ist.

 

Roland Berka
Engen im Hegau,
Juni 2008 und 13.02.2009

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+, Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 26.06.2009