Home -> Forschung -> Höhlen und Dolinen -> Ehinger Stollen   *   Nächste Seite

Ehinger Stollen

 

von Roland Berka

 

Beim Ehinger Stollen handelt es sich um eine tertiäre Spaltenfüllung im Weißjura Zeta 3.

Die „Hangenden Bankkalke” bilden das Eingangsportal.

Die Ganglänge beträgt ca. 40 bis 50 m.

Im hinteren Teil stand am 09.03.2007 das etwas faulig riechende Wasser zirka 60 cm hoch.

Im mittleren Abschnitt ist bereits vor einiger Zeit die Höhlendecke herabgebrochen und hat so im Gang eine Erhöhung verursacht. Sie stellt aber beim Befahren kein Problem dar.

Kleine Tropfsteine und hübsche Kalksinterbildungen sind stellenweise vorhanden.

Der gesamte Stollen folgt einer in rheinischer Richtung angelegten Gesteinskluft.

Der Stollenvortrieb scheint in drei Phasen entstanden zu sein.

Der erste Abschnitt in dilettantischer Machart, der Mittelteil in guter bergmännischer Manier und der hinterste Teil wieder dilettantisch.

Nach sorgfältiger Untersuchung des vorhandenen Gangmaterials bin ich nun davon überzeugt, dass die ganze Arbeit der Gewinnung des im Tertiär eingeschwemmten Lehmes galt.

Er konnte hier in bester Qualität gewonnen werden und fand seinerzeit zur Herstellung von Keramik Verwendung. Auch die Ofensetzer benötigten dieses Material. Der Arbeitsaufwand hat sich wegen der hier vorliegenden hohen Reinheit des Rohstoffes sicher gelohnt.

Ein vom Hauptgang in östlicher Richtung abzweigender und ebenfalls am hinteren Ende mit Bohnerzlehm plombierter Gang zeigt ein vorliegendes Spaltensystem an. Dieser Seitengang hat eine Länge von 3 m.

Beide Gänge führen sicherlich noch tiefer ins Gebirge.

Im benachbarten Steinbruch war vor einiger Zeit eine große Spalte im Oberjura sichtbar.

Sie war mit einigen Kubikmetern intensiv rot gefärbtem Bohnerzlehm verfüllt gewesen. Er enthielt eine Unzahl von Erzkügelchen im Millimeterbereich und darunter.

Auch am südlich von Aach gelegenen „RÖTENBERG” liegen solche Verhältnisse vor.

Interessant und bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Bohnerzlehme erstmals im Alttertiär vor 65 Millionen Jahren entstanden.

Folgerichtig sind die jetzt zum Teil ausgefüllten Spalten und Gänge älter.

Dieses also bereits seit langem bestehende Spaltensystem wird von der unterirdischen Donau für den Abfluss nach Süden benutzt.

Die am Ehinger Stollen liegende Juragesteinsschicht liegt unter Singen in etwa 400m Tiefe!

Aus dem Spaltensystem dringen Quellen an die Erdoberfläche, die Donauwasser führen. (Z.B. Beuren an der Aach - nur 3 km nördlich von Singen mit 13,6°C. Auch die Bleiche- und Bitzenquelle gehören in das Donau-Aachhöhlen-Spaltensystem.)

Im Ehinger Stollen wurden von uns Nacktschnecken, Mücken, Spinnen, Weberknechte und Tausendfüßler festgestellt.

Die von Rudolf M+ und mir durchgeführten Nachforschungen zur Entstehung des Ehinger Stollens blieben bisher erfolglos.

Befragt wurden Einheimische, Jagdaufseher, Steinbruchbesitzer, Archive und das Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe.

 

Topografische Karte 8118, Blatt Engen
in der Gewann: Südliches "Oberholz".

GPS-Koordinaten Rechtswert: 3486963 und Hochwert: 5299764

 

Roland Berka
Engen im Hegau,
16.03.2007

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+, Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 02.03.2007