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Drachenlöcher bei Welschingen

 

von Roland Berka

 

Eine ganz besonders interessante hydrogeologische Erscheinung stellen die „Drachenlöcher” bei Welschingen im nördlichen Hegau dar.

Schon die geheimnisvoll-romantische Umschreibung dieses Quellgebietes lässt etwas Besonderes erwarten und man wird auch nicht enttäuscht.

Am Grunde der mit Geträuch umstandenen Quellmulde treten mehr oder weniger kleine „Schlammvulkane” auf. Die Durchmesser betragen wenige Zentimeter bis zu einem Meter und sind sehr unterschiedlich aktiv. Sie wechseln des öfteren ihre Lage.

Beim Beobachten dieser Vorgänge kann tatsächlich der Eindruck entstehen, dass hier kleine Unterwasser-Vulkane brodeln.

Sensible Menschen könnten diesen Umstand sogar als bedrohlich empfinden und so darf angenommen werden, dass die Bezeichnung „Drachenlöcher” in früheren Zeiten auf diese damals noch unerklärlichen Vorgänge zurückzuführen ist.

Heute weiß man, dass dieses Naturphänomen auf ganz natürliche Art zustande kommt. Das am Boden des Quellteiches herausdrückende Wasser entsteigt dem Untergrund mit einem gewissen Druck, der den dort befindlichen Schlamm aufwirbelt. Fachwissenschaftler (Hydrogeologen) nennen solche Wasseraustritte „artesische Quellen”.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, woher das Wasser oder Teilmengen davon herstammen. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit der Donauversickerung.

Bei einem der vielen, an den Versickerungsstellen der Donau durchgeführten wissenchaftlichen Markierungsversuchen, z.B. am 26. August 1969, bei denen der genaue Nachweis der Wiederauftauchstellen im Hegau festgestellt werden sollte, verlief das Überwachen der „Drachenlöcher” negativ. In BATSCHE H. (1970) wird dieser Markierungsversuch und seine Ergebnisse detailiert beschrieben.

Andererseits tauchten in der Bitzenquelle bei Ehingen, der Bleichequelle bei Welschingen und im Neuhausener Tiefbrunnen die Markierungsstoffe wieder auf.

Die Durchlaufzeit des Wassers von der Donau zu diesen Quellen betrug ca. 27-97 Stunden.

Diese Örtlichkeiten liegen alle in der näheren Umgebung des Quellgebietes.

Ob für die „Drachenlöcher” mit dem negativ verlaufenen Experiment schon das letzte Wort gesprochen ist, steht damit keinesfalls fest. Das geheimnisvolle, unterirdische Donau-Aachhöhlen-Labyrinth hält sicher noch einige Überraschungen bereit.

Somit bleibt dieser Quelltopf nach wie vor in Hinsicht auf die Herkunft seiner Wässer auch weiterhin geheimnisvoll.

Regionale Wanderführer sollten dieser faszinierenden Örtlichkeit durchaus mehr Bedeutung schenken, denn gerade das Wissen um diese kleinen Dinge machen unsere Landschaft so interessant.

Die Donauversickerung mit dem Aachtopf, sowie die Drachenlöcher und die Bleichequelle sind in ihrem Zusammenhang hochinteressante und lohnende Ausflugsziele für Einheimische und Touristen.

Topographische Karte 1:25000 Blatt 8118 Engen.
GPS-Koordinaten: Rechtswert 3482750 und Hochwert 5297920

Roland Berka
Engen im Hegau,
25. März 2009

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+, Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 10.07.2009