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Höhlenschnecken - Bythiospeum

 

von Roland Berka

 

Überlegungen zu einer Gattung der Grundwasserfauna im Bereich des Donau-Aachhöhlensystems

Wassertemperaturen ihres Lebensbereiches

 

 

Überlegungen zu einer Gattung der Grundwasserfauna im Bereich des Donau-Aachhöhlensystems

Wieviele Arten von Höhlenschnecken in Deutschland existieren, weiß bis heute niemand.

Auch alle regionalen Vorkommen sind nicht gänzlich bekannt.

Die exakte Bestimmung der nur wenige Millimeter großen, einzelnen Arten ist wegen der geringen Unterschiede der Gehäuseformen sehr schwierig.

Über räumliche Zuordnungen ist dies auch nicht möglich. Selbst in einer Art treten gehäusemorphologische Veränderungen auf, die auf besondere Lebensumstände der Tiere zurückzuführen sind.

So können z.B. unterschiedliche Strömungsverhältnisse zur Veränderung der Gehäuseform führen.

Die Wasserführung, variierender Kalkgehalt, schwankendes Nahrungsangebot beeinflussen offensichtlich die Erscheinungsformen. Gehäuse juveniler Tiere können andere Arten vortäuschen. Der jeweilige Wohnort der Schnecken kann sandig oder schlammig sein, was wiederum gewisse Anpassungen erforderlich macht bzw. zur Folge hat.

Bisher weiß man, dass die Höhlenschnecken bei +5°C bis +15°C vorkommen.

Daran knüpfen Vorstellungen, wie und wo diese Schnecken die Eiszeiten überlebt haben könnten.

Von mir wurde bisher nur ein Teilgebiet des Schwäbischen Jura zwischen Balingen und dem Schaffhausener Randen untersucht.

Dazwischen - und darum geht es mir zunächst vorrangig - liegt das gesamte Einzugsgebiet der Aachquelle. Untersucht wurden bisher etwa 130 Quellaustritte. Sie ergaben 40 Stellen, wo leere Gehäuse von Bythiospeum gefunden wurden.

Viele dieser Quellen haben ein sehr unterschiedliches Schüttungsverhalten und müssen öfters besucht werden, um gute Aussagen machen zu können.

Findet man nichts, kann dies zu einem anderen Zeitpunkt zu einem positiven Ergebnis führen.

Von mir vordergründig erwartet werden Erkenntnisse, ob im nach Süden gerichteten Grundwasserstrom gleiche oder verschiedene Arten vorkommen. Vermutlich sind im Aachhöhlensystem mehrere Arten vorhanden.

Alle Taucher werden gebeten, auf leere Gehäuse zu achten und Sedimentproben mitzubringen. Enorm wichtig für die exakte Bestimmung der Arten bleiben nach wie vor die Untersuchungen von lebenden Exemplaren, denn nur die anatomischen Merkmale können weiterhelfen.

In der Blautopf~ und der Wulfbachhöhle wurden schon Lebendfunde gemacht und der wissenschaftlichen Bearbeitung zugeführt.

Bei einer von mir veranlassten Exkursion mit Fachleuten der Universität Konstanz am 08.10.2005 wurden promt lebende Bythiospeum gefunden. Weitere Infos dazu sind in den beiden Berichten: „Exkursion in die Donauhöhle” und „Höhlenschnecken” zu finden.

Bei meinen Nachforschungen wurden etwa 120 weitere Arten von Muscheln und Schnecken der Gewässer eingesammelt und registriert. (Z.B. Ancylus, Unio crassus, Pisiden usw.) Nach Abschluß der Forschungen werden diese Listen veröffentlicht.

 

Roland Berka
Engen im Hegau,
24.03.2007

 

Bythiospeum: Wassertemperaturen ihres Lebensbereiches

In den „Mittelungen der deutschen malakologischen Gesellschaft /37/142-171/Frankfurt am Main 1984” wird auf Seite 144 zitiert:

Wassertemperatur: Aus Literaturangaben läßt sich ein Temperaturbereich von 5,4 - 14,8°C zusammensetzen. Am Hinterfallbach hat Falkner eine Temperatur von nur 4,5°C gemessen.

Die Kenntnis dieses geringen Wärmebedarfs ist für Überlegungen des Areals wichtig, in dem die Gattung BYTHIOSPEUM die Eiszeiten überdauerte.

Zitat Ende.

Nach der Auswertung von 130 Tauchgangsberichten der Höhlentauchgruppe Aachprojekt wurden folgende Temperaturen ermittelt:

Niedrigste Wassertemperatur am 24.01.2006, 4°C, Bernd H+
Höchste Wassertemperatur am 18.08.2003, 18,1°C, Frank L.
(Die Tauchgangsberichte sind in den internen Seiten abgelegt.)

Auch im Aachhöhlensystem gibt es lebende Tiere der Gattung Bythiospeum.

Die früheste Erwähnung über diese Höhlenschnecken in unserem Forschungsbereich stammen nach den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen von einem Tauchgang am 24.04.2004. Der Tauchgangsbericht ist von Margareta M. und Jens E+.

Dank an alle Taucher die in den Jahren 2001 bis 2007 wertvolles Datenmaterial geliefert haben. Es stellt einen wichtigen Faktor für die Erforschung des Aachhöhlensystems dar.

Fazit: Die enormen und raschen Temperaturschwankungen zeigen eine hohe Anpassungsfähigkeit der Tierwelt im Unterwasssersystem an.

Roland Berka
Engen im Hegau,
27.04.2008

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+, Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 30.06.2008